Der Solidaritätsladen "Equanima" - Viel mehr als Menschen bekleiden: eine offene Tür, Netzwerkarbeit und ein Schritt zur Bewahrung der Schöpfung

 

Es ist nun schon drei Jahre her, dass unser „ Abenteuer“ begann. Als ich auf der Suche nach einer Arbeit war, traf ich Ezio, einen Unternehmer, der sich für ein soziales Projekt engagieren wollte: Er wollte einen „Solidaritätsladen“ für Secondhand-Kleidung gründen.

Von Anfang an war ich von diesem Projekt und seinem Geist begeistert. Lange diskutierten wir in der Fraternität und mit den Schwestern des Generalrats und beschlossen dann, dass ich mich mit Unterstützung der Fraternität dort engagieren würde. Equanima, eine gemeinnützige Organisation, wurde am 10.Dezember 2010 gegründet, und ein Jahr später öffnete der Solidaritätsladen seine Pforten.

Eingangstür zu Equanima
Unsere vorrangige Aufgabe ist die kostenlose Ausgabe von Kleidung an Menschen in Not (Obdachlose, Migranten, Gefangene, Sinti und Roma, Familien in Not etc.), die entweder selbst in den Laden kommen oder aber die Kleidung durch andere Organisationen erhalten. Gleichzeitig steht das Geschäft aber auch jedermann gegen eine kleine Spende offen. So kann vieles – nicht nur Kleidung sondern auch Bücher, Spielzeug, Haushaltsgeräte – weiter Verwendung finden. In einer Konsum- und Wegwerfgesellschaft können die Menschen so für eine verantwortungsvollere und solidarische Lebensweise sensibilisiert werden.

Kreis der Ehrenamtlichen
All dies ist uns nur dank einer großen Gruppe Ehrenamtlicher möglich, die sehr großzügig ihre Zeit, ihre Kraft, ihre Talente und nicht zuletzt ihren Enthusiasmus zur Verfügung stellen.
Natürlich haben wir nicht die Absicht, all die wirtschaftlichen Probleme zu lösen, die die Menschen und vor allem die Familien treffen. Wir wollen nur – mit dieser ausgestreckten Hand - ein Zeichen geschwisterlicher Liebe setzen.

Der Solidaritätsladen wurde mit der Zeit ein Treffpunkt und ein Ort des Dialogs für Menschen unterschiedlicher Kulturen, sozialer Schichten und Nationalitäten.
So kommt eine schwangere Frau, um etwas für ihr Kind zu suchen, das bald zur Welt kommen soll, und ein paar Monate später kommt sie wieder vorbei, um uns ihr Kind zu zeigen und um gemeinsam die Geburt zu feiern; eine andere kommt und erzählt ihre schwierige Lebensgeschichte, die sie von einer Obdachlosenunterkunft zur anderen führte, und sucht eine Decke, mit der sie sich in kalten Winternächten zudecken kann. Wieder ein anderer kommt in seiner Einsamkeit bei uns vorbei, einfach nur um guten Tag zu sagen. Ein anderer Mann lebt von seiner Familie getrennt, und am Monatsende wird das Geld knapp – bei uns findet er schöne Kleidungsstücke, die ihm helfen, seine Würde zu bewahren. Wie viele Gesichter, wie viele Geschichten!

Ich merke, dass wir als Kleine Schwestern in einem solchen Projekt wirklich am richtigen Platz sind - denn dort herrscht ein Geist der Solidarität und der Nächstenliebe. Mit den Kleidungsstücken möchten wir den Menschen ihre Würde zurückgeben. Deshalb ist es für uns wichtig, die Menschen respektvoll zu empfangen und mit ihnen eine Beziehung aufzubauen.

Und dies gilt nicht nur für diejenigen, die von uns Kleidung bekommen, sondern auch für die ehrenamtlichen Mitarbeiter, die aus sehr unterschiedlichen Lebensverhältnissen kommen.

Marta mit verschiedenen Mitarbeiterinnen


Es ist sehr schön zu sehen, wie Menschen, die sich nutzlos fühlten, wieder einen Sinn in ihrem Leben sehen können, und wie im Laufe der Monate eine Gemeinschaft entstehen konnte, in der jeder sich so willkommen fühlen darf, wie er/ sie ist. Und darüber hinaus bemühen wir uns, ein Netzwerk mit unterschiedlichen Partnern (Vereine, Gemeinden, Kooperativen…) zu bilden, die die gleichen Ziele wie wir haben..

Als Kleine Schwester ist es mir auch wichtig, mich mit Equanima für Recycling und Wiederverwertung einzusetzen und mich damit für eine Welt zu engagieren, die wir mit unseren oft unnötigen Abfällen überschwemmen, mit Abfällen, die auch eine wichtige Ressource sein könnten.

Solidarität, eine offene Tür, einfacher Lebensstil, Recycling, Bewahrung der Schöpfung und Netzwerkarbeit - das sind die Schlüsselworte von Equanima. Und es sind nicht die Schlüsselworte von Equanima, sondern auch der Geist unserer Fraternität als Kleine Schwestern und aller Menschen, die eine bessere, gerechtere und lebenswertere Welt gestalten möchten.