„Mission in Europa“:
Wie können wir heute glaubwürdig Zeuginnen des Evangeliums sein?

Mission, Evangelisierung, Verkündigung des Evangeliums – es ist nicht einfach, heute davon zu sprechen. Für manche hat es schnell den Geschmack von Bekehrenwollen, Besserwissen, den anderen in seiner Freiheit nicht ernstnehmen. Und doch steht das Evangelium in der Mitte unseres Lebens als Kleine Schwestern vom Evangelium: wir haben es als befreiende und lebenspendende Botschaft erfahren, die unserem Leben Sinn und Orientierung gibt. Im Unterwegssein mit anderen erleben wir immer wieder, wie das Evangelium und der Glaube Stütze und Halt geben, Wege zu erfüllterem Menschsein ermöglichen. Zugleich ist das Evangelium immer neu Einladung, in den je verschiedenen Lebenssituationen und Kontexten danach zu tasten, wie wir es glaubwürdig leben und bezeugen können.


Als Kleinen Schwestern vom Evangelium, die wir heute in Europa leben (in Frankreich, Belgien und Italien), haben wir uns in den vergangenen Monaten Zeit genommen, über unsere Erfahrungen in einer sich verändernden Welt und Kirche ins Gespräch zu kommen. Ein Wochenende im Frühjahr wie auch das Regionaltreffen im Sommer 2015 waren dabei gute Gelegenheiten, die unterschiedlichen Erfahrungen zur Sprache zu bringen und nach glaubwürdigen Wegen in die Zukunft zu suchen.

Austausch unter Schwestern


Dazu gehörte es zunächst, die Herausforderungen unserer heutigen Zeit wahrzunehmen: wachsende Gewalt, die Bedrohung durch Extremismus, das oft schwierige Miteinander verschiedener Kulturen und Religionen, die Zerstörung der Umwelt, die unzähligen Migrationsbewegungen, etc. Zugleich sind wir Zeuginnen vieler Neuaufbrüche, die Mut machen: das soziale Engagement vieler Menschen, eine zunehmende Vernetzung von Initiativen, ein wachsendes ökologisches Bewusstsein, Projekte zu Dialog, Begegnung und Versöhnung.  Wir vertrauen darauf, dass das Heute, in dem wir leben, der Ort ist, wo Gott uns erwartet. Die derzeitige Situation der Welt, der Kirche wie auch unserer Gemeinschaft ist der Ort, wo Gott zu uns spricht und zugegen ist und wo er uns erwartet.


Kleine Schwestern mit Sinti

Im Austausch miteinander wurde uns bewusst,  an wie vielen Brennpunkten oder Bruchstellen unserer heutigen Gesellschaft Kleine Schwestern mitleben und Begegnung wagen : mit Wohnsitzlosen, Sinti und Roma, Flüchtlingen und Asylsuchenden, mit Kranken, mit jungen Leuten, ausländischen Studierenden wie auch mit alten Menschen, mit psychisch Kranken, mit den Nachbarn aus aller Welt, die im selben Hochhausviertel wohnen wie auch mit Menschen im ländlichen Raum, die oft stark vom strukturellen Umbruch betroffen sind. 


Das Evangelium Jesu Christi zu bezeugen nimmt dabei ganz unterschiedliche Formen und Facetten an: manchmal geht es um explizit pastorale Tätigkeiten: Erstkommunion- oder Firmvorbereitung, Begleitung erwachsener Taufbewerber, Bibelteilen, geistliche Begleitung, Gebetskreise, Leitung von Besinnungstagen, theologische und biblische Kurse, Ikonenmalerei. Verschiedene soziale Engagements gehören für uns aber genauso zur Verkündigung des Evangeliums dazu, im Einsatz für die Würde eines jeden Menschen: Alphabetisierungs- und Sprachkurse, Besuche im Gefängnis, Hilfsangebote für Menschen in Not (Nahrungsmittelhilfe, Verteilung von Kleidung oder auch einfach Dasein mit einem offenen Ohr für die Menschen), eine Nähwerkstatt für Frauen etc.

Manche Worte kamen bei unserem Austausch immer wieder vor: Dialog, Respekt, geben und nehmen, Freundschaft zu den Armen und am Rande Stehenden, gemeinsam auf dem Weg sein, uns mit anderen zusammen tun, …
Wir durften entdecken, wie wir als Kleine Schwestern unsere eigene Weise haben, mit der wir versuchen, Zeuginnen des Evangeliums zu sein:

  • Wir versuchen aufmerksam zu sein für jeden Menschen, dem wir begegnen; Begegnung und Freundschaft mit den Menschen haben eine große Bedeutung für uns. (Weiterlesen...)
  • Das Wort Gottes ist wesentlich für uns. Das Hinhören auf die Bibel verändert unser Leben und bringt neue Initiativen auf den Weg.
  • Unser Gebet ist nicht getrennt von unserem Leben mit den Menschen und unserer Sendung , sondern ist Teil davon.
  • Gemeinsam versuchen wir Zeuginnen des Evangeliums sein


Gut 50 Jahre nach Gründung unserer Gemeinschaft erleben wir, wie unsere Spiritualität immer neuen Ausdruck findet, in unserer sich wandelnden Welt.


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