Ein offener Treff als Ort freundschaftlicher Begegnung
Vom ehrenamtlichen Engagement in einem psychiatrischen Krankenhauses

 

Es ist Samstag. Wir laden zu einem offenen Treff in die Kapelle des Krankenhauses ein: ein Ort freundschaftlicher Begegnung außerhalb der Mauern der Psychiatrie. Die Kranken erleben dort etwas anderes: sie können einfach zusammen einen Kaffee trinken. Und jene die möchten, laden wir zu einem Bibelteilen zum Sonntagsevangelium ein, das wir mit einem kurzen Gebet und einem Lied beenden.
Es sind ganz gewöhnliche Begegnungen, und doch verändern diese Treffen etwas in den Menschen. „Ich habe den Eindruck, dass sich natürlich Ärzte und Soziologen um eine psychische Erkrankung kümmern müssen, aber auch Geistliche“, schrieb eine Kranke, Buchautorin, in einem Zeitungsartikel. Eines Tages hat mir eine Kranke eine SMS geschickt: „Danke für das Licht und den Optimismus, den sie mir heute gebracht haben.“

Kl. Sr. Maria-Emilia

Wie hat das alles angefangen?

Als ich in Rente ging, habe ich eine Ausbildung gemacht, um ehrenamtlich in der Krankenhausseelsorge in Mulhouse mitzuarbeiten. Dabei habe ich mich daran erinnert, dass ich ein Jahr lang jede Woche eine unserer Nachbarinnen besucht habe, als sie in einer psychiatrischen Klinik war. Wir verstanden uns gut.
Es gibt in unserem Viertel viele Menschen, die von psychischen Erkrankungen betroffen sind, und oft sind sie sehr alleine. Und so habe ich gedacht: Das sollte ich mir vielleicht näher anschauen, vielleicht wäre das ja eine Möglichkeit?
Der Krankenhausseelsorger, ein Priester, suchte gerade Ehrenamtliche für verschiedene Abteilungen in der Psychiatrie und er sagte mir, dass er sich mich gut dafür vorstellen könnte. Und so habe ich dann angefangen…

Psychiatrisches Krankenhaus
Ich habe zunächst mit Besuchen in einer der fünf Abteilungen der Psychiatrie begonnen. Sehr schnell sind Beziehungen zu den Patienten gewachsen, die länger bleiben, und dann auch nach und nach zu jenen, die von Zeit zu Zeit da sind.

Manchmal treffen wir uns auch draußen im Park. Und als ich die Kapelle mitten im Park sah, von den verschiedenen Abteilungen des Krankenhauses umgeben, so dachte ich mir, dass wir daraus einen offenen Treff machen sollten. Die Kapelle war kurz zuvor restauriert worden, und ein kleiner, beheizter Raum bot gut Platz für eine kleine Gruppe. Und so haben wir das Projekt auf den Weg gebracht.


Gemeinsam mit dem Seelsorger haben wir nach weiteren Ehrenamtlichen gesucht, die bei diesem offenen Treff mithelfen wollten. Und nachdem der in der Seelsorge tätige Priester an eine andere Stelle gewechselt hatte, führe ich selbst die Gruppe der Ehrenamtlichen weiter.

Letztes Jahr haben wir an Weihnachten angefangen, und bis Juni hatten wir jede Woche zwei oder drei Personen. Das ist wenig, es ist immer wieder ein Wagnis, aber jene, die kommen, sind zufrieden: „Da können wir auftanken“, „es ist freundschaftlich und geht in die Tiefe“ sagen sie zu uns.

In jeder Abteilung des Krankenhauses haben wir auf das Angebot hingewiesen. Aber die Kranken kommen v.a. aus den beiden Abteilungen, wo ich jede Woche an einem Nachmittag Besuche mache.

Ich hätte mir diese Aufgabe nicht unbedingt ausgesucht – vielmehr haben mich die Umstände dorthin geführt. Aber sie gefällt mir, auch wenn ich beim Ankommen immer ein wenig aufgeregt bin. Ich freue mich, dieser ganz „anderen Welt“ zu begegnen und etwas geben zu können; und zugleich empfange ich selbst viel. Die Menschen sind sehr liebenswert. So auch ein Ehepaar: der Ehemann kommt seine Frau jeden Tag besuchen, und manchmal begegne ich ihnen auch in der Stadt und wir grüßen einander.

Die Menschen sind sehr berührt davon, dass man sich für sie interessiert. Persönliche spreche ich dabei lieber von Begegnungen als von Besuchen, denn die Beziehung ist wechselseitig.

Ich bin froh, dass wir als Team tätig sind. Wir sind einander sehr verbunden, auch durch verschiedene Ereignisse, die wir gemeinsam durchgetragen haben. Wir freuen uns, uns zu treffen. Wir bilden uns weiter, wir tauschen uns aus, und wir werden auch durch die Beiträge der Kranken, oder besser: von allen!, bereichert.

Und wir sind nicht alleine oder auf unsere eigene Initiative hin tätig – vielmehr gehören wir zur katholischen Krankenhausseelsorge der Krankenhäuser von Mulhouse, wir arbeiten mit der protestantischen Krankenhausseelsorge zusammen und haben auch Kontakt zu den Seelsorgern anderer Religionen.

Kl. Sr. Maria-Emilia

Seelsorgeteam