Wenn Arbeitslosigkeit einfallsreich macht …
Kl. Sr. Martha und die "Association Equanima"
in Bari / Italien

Kleine Schwester Martha aus der Fraternität in Bari suchte seit über zwei Jahren vergeblich nach einer Arbeitsstelle. Mit der Zeit reifte in ihr die Idee, sich eine eigene Arbeitsstelle zu schaffen: Nun ist die "Association Equanima" entstanden. Martha erzählt von diesem Abenteuer.

Nach langem Suchen fand ich Ezio, einen Unternehmer, der seine Kräfte und Fähigkeiten für ein Altkleider-Projekt einsetzen wollte: Altkleider sammeln, die gesammelten Kleidungsstücke verkaufen und weitergeben Er hatte sich bereits mit der Frage beschäftigt, wie man ein solches Projekt in unserer Stadt ins Leben rufen könnte.
Von Anfang an gefiel mir die Idee, denn sie erinnerte mich auch an die "erste große Liebe" meiner Jugend, als ich Abende und Wochenenden lang mit der "Operazione Mato Groosso" Altpapier, Altkleider, gebrauchte Möbel etc. sammelte.
Und obwohl ich von ganzem Herzen begeistert war, mussten wir in der Fraternität und mit den Schwestern des Generalrates eine bewusste Entscheidung treffen, um an dem Projekt teilzunehmen. Wir wussten sehr wohl, dass es eine große Herausforderung war und dass das erste Gehalt viele Monate auf sich warten lassen würde.

Equanima wurde als gemeinnützige Organisation am 10.12.2010 gegründet: Die Kleinen Schwestern Carla und Carmen und ich selbst sind gemeinsam mit anderen Ehrenamtlichen Gründungsmitglieder, Enzo ist der Vorsitzende. Das Ziel der Organisation ist die Gründung und Führung eines Geschäfts, das Altkleider, aber auch andere gebrauchte Gegenstände wie Bücher, Spielzeug, Haushaltswaren etc. sammelt, eventuell in Ordnung bringt und dann gegen eine kleine Spende verkauft oder an Menschen ohne finanzielle Mittel kostenlos ausgibt.
Viele Fähigkeiten sind für das Projekt von Bedeutung: sorgfältige Arbeit, Solidarität, Zusammenarbeit mit allen Mitgliedern des Teams, Vernetzung mit anderen Institutionen und Kooperationspartnern.
Wo stehen wir nun? Um die Waren für unseren Laden zu sammeln, wollten wir bei Gemeinde-zentren Container aufstellen. Dieses Projekt ist natürlich nur in Kooperation mit dem Bistum möglich und so waren wir sehr froh, dass der Bischof uns seine Unterstützung zugesichert hat. So haben wir uns zunächst mit den Pfarrern, den Pfarrgemeinderäten, den Verantwortlichen unterschiedlicher Vereine und auch mit der Stadtverwaltung getroffen, um sie zu informieren und für unser Projekt zu motivieren.

Im August begannen dann die konkreten Arbeiten: Wir haben einen Transporter gekauft, ein Ladenlokal gefunden und es eingerichtet und die Container aufgestellt (im Moment sind es 20 in der Stadt, in den umliegenden Dörfern möchten wir auch noch welche aufstellen).
Wir haben die ersten Kleidungsstücke gesammelt - am Anfang waren es sogar fast zu viele. Schließlich fanden wir zahlreiche ehrenamtliche Helfer.
Derzeit helfen uns etwa 15 Frauen beim Sortieren der Kleider und anderer Gegenstände und einige Männer kümmern sich um unser Ladenlokal und leeren die Container überall im Stadtgebiet. Hinzu kommen die vielen Menschen, die uns auf eine andere Art helfen.
So viele Menschen engagieren sich für dieses Projekt! Von Anfang an war die Begeisterung spürbar, mit der viele Menschen unser Projekt aufnahmen und aktiv unterstützten.
Diese Begeisterung gab uns die Kraft weiterzumachen. Manchmal war es, als ob man uns zuriefe: "Macht weiter! Es lohnt sich!"

Probleme blieben natürlich nicht aus und mehr als einmal drohte das ganze Projekt zu scheitern. Alles ist immer noch sehr unsicher, aber wir haben gelernt zu vertrauen, uns von den Herausforderungen des Lebens leiten zu lassen.
Nun hat der Laden seinen Betrieb aufgenommen und wir müssen lernen, ihn langfristig zu führen.

Am Dreikönigstag möchten wir zu einigen Roma-Familien gehen, um ihnen Spielzeuge für die Kinder zu schenken. Erste Beziehungen entstehen langsam, aber wir möchten diese Lebenswirklichkeit vor den Toren unserer Stadt noch besser kennenlernen.

Auch das Leben der Migranten möchten wir noch mehr entdecken - vor allem da unser Bischof uns hierum besonders gebeten hat. Und obwohl wir wissen, dass es schon ein Wunder ist, dass wir all das erreicht haben, hören wir nicht auf zu träumen und Pläne zu schmieden. In weiterer Zukunft möchten wir Workshops anbieten, in denen man lernen kann, wie Kleidung, Spielzeug, Computer gerichtet und instand gesetzt werden können. Auch in die Schulen möchten wir gehen, um auf unser Projekt aufmerksam zu machen. Danke all denen, die uns unterstützen - durch ihr Interesse, ihre Mitarbeit und durch ihre Solidarität. Ich spüre ihre Gegenwart, ihr Mitfühlen. Auch das macht uns viel Mut, dieses spannende und bereichernde Abenteuer weiter zu führen.

Dieses Projekt hat nicht nur Arbeitsplätze geschaffen, sondern auch in sozialer und ökologischer Hinsicht neue Wege eröffnet: anstatt Gebrauchtes wegzuwerfen, kann es wieder verwendet werden; Menschen mit niedrigem Einkommen finden in diesem Second-Hand-Laden günstige Waren in guter Qualität; ein neues Beziehungsnetz entsteht, auch zu Migranten, die in Bari eine neue Heimat suchen. So kann dieses Projekt ein kleiner Schritt sein hin zu dem, was wir als Kleine Schwestern zu leben versuchen: uns im solidarischen Teilen des Lebens und Alltags die Nöte und Fragen der Menschen zu eigen zu machen und gemeinsam mit ihnen nach Wegen zu suchen, die ein Leben in Gerechtigkeit und Freiheit ermöglichen.