Als Clown im Krankenhaus...
Erfahrungen von Kl. Sr. Maria-Cristina in Norditalien

Kleine Schwester Maria-Christina lebt in Vizenca in Norditalien. Seit über 10 Jahre besucht sie als Clown  Menschen im Krankenhaus. Sie erzählt von ihren Erfahrungen:

„Ich wollte den Menschen in diesem von Leid geprägten Umfeld nahe sein, und zwar eher mit dem Herzen als mit Worten. Beim Theaterspielen wurde mir klar, dass ich von „innen her“ Clown bin, das bedeutet dass ich eher durch meine Gesten und mein Lachen mit den Menschen kommuniziere und ihr Herz zum Schwingen bringe, als mit Worten oder mit meiner Verkleidung.

Wenn ich zum Beispiel in ein Zimmer komme, wo mehrere Kranke auf ihre Operation am nächsten Tag warten, so ist die Stimmung oft bedrückt, voller Spannungen und Ängste, und das ist verständlich. Mit meinem Clown-Kollegen stellen wir uns dann als die neuen Ärzte vor, die am nächsten Tag operieren werden. Das ist natürlich ein Witz, aber entspannt die Atmosphäre. Nach ein paar weiteren Witzen sage ich dann „morgen früh werde auch ich bei der Operation dabei sein, aber das ist kein Witz! Ich werde euch wirklich nahe sein – auf unsichtbare Weise, aber genauso wirklich“.
Unsere rote Nase, die wir manchmal an die Kranken verschenken, kann eine Erinnerung an unsere menschliche Nähe sein. Sie drückt aus, was wir als Grundbotschaft vermitteln wollen: die Freude, die wir von Herz zu Herz weitergeben.


Die Kinder sind fasziniert von den Farben, dem Spiel, den magischen Tönen…  sie bekommen ganz glänzende Augen! Die Eltern sind erleichtert, wenn sie sehen, dass ihre Kinder trotz dieser für sie so fremden Atmosphäre eines Krankenhauses nicht die Fähigkeit verlieren, sich am Leben zu freuen.
Ich habe mich auch einer neuen Organisation angeschlossen, mit der ich auf einer Kinderkrankenstation tätig bin. Jeweils zu zweit schlagen wir Kindern vor, ihnen vorzulesen. Auf diese Weise findet das normale Leben Eingang ins Krankenhaus, die äußere Welt kommt in die Krankenzimmer hinein. Beim Vorlesen knüpfen wir Beziehungen; für eine gewisse Zeit lassen die Kinder ihren persönlichen Computer oder den Fernsehen beiseite, die Eltern können ein wenig abschalten, an die frische Luft gehen oder einen Kaffee trinken. Die Kinder sagen uns, was sie am meisten interessiert: Abenteuerbücher, Reisen, Phantasiegeschichten, Tiergeschichten...

Einmal sind wir mit Atemschutz zu einem Kind in ein Zimmer auf der Krebsstation gegangen, das eine spezielle Behandlung bekam. Es hat sofort zu mir gesagt: „Du bist doch ein Clown!“ Die Atemschutzmaske hatte zwar mein Lachen versteckt, aber sie hat meine Augen nicht davon abgehalten zu lächeln. Wir haben eine gute Stunde zusammen verbracht, eine dichte, friedliche Zeit, und das Kind zeigte uns alles, was es am Leben interessierte, was es begeisterte.  Heute ist dieses Kind im Himmel, in den Armen des göttlichen Vaters. Dort hat nur all das Bestand, was voller Liebe anschaut, was Liebe hervorbringt, was Liebe erweckt, was das Leben liebt und sich für das Leben begeistert.

Manchmal frage ich die kleinen Kinder, ob sie Angst vor dem Wolf haben – er hat ja eine besondere symbolische Bedeutung. Ich erinnere mich an meine eigenen Ängste als Kind: Angst vor der Dunkelheit, vor dem Unbekannten…. Und dann lese ich ihnen aus dem Buch von Chiara Frugoni vor, das die Geschichte des Wolfes erzählt, der sich mit dem heiligen Franziskus angefreundet hat: Ein alter, einsamer Wolf schleicht im Wald umher, plündert und jagt Menschen und Tiere großen Schrecken ein. Eines Tages kommt Franziskus von Assisi in diesem Dorf vorbei, und die Einwohner erzählen ihm von dem Wolf.

Franziskus verspricht, ihnen zu helfen und macht sich auf den Weg in den Wald. Auch er hat Angst, aber er hat es versprochen und so setzt er seinen Weg fort. Der Wolf spürt ihn auf, ohne dass Franziskus sich darüber klar wird. Franziskus legt sich schlafen, ohne im geringsten die Gefahr zu ahnen. Aber als sich das Tier dem unvorsichtigen Bruder nähert, dringt ihm ein so guter Geruch in die Nase (der der Güte!), dass er davon wie betäubt ist. Dieser Duft hat die Macht, den Wolf in ein friedliches Tier zu verwandeln, das sogar im Dorf leben kann und von allen geliebt wird.

Es gibt noch ein anderes wunderschönes Buch, das für alle Altersgruppen geeignet ist, weil es die Herzen aller anrührt: „Du bist wertvoll“ von Max Lucado. Das Buch handelt von kleinen Holzfiguren, die von einem Schreiner namens Eli geschnitzt werden. Sie verbringen ihre Zeit damit, sich gegenseitig Sterne anzukleben als Zeichen der Wertschätzung oder kleine graue Kreise als Ausdruck der Missbilligung. Die Hauptfigur des Buchen, Punchinello, bekommt nur graue runde Aufkleber, bis er eines Tages entdeckt, dass er die Kreise auch wieder von seinem Körper entfernen kann. Und Punchinello, der ein bisschen in jedem von uns steckt, entdeckt ein tiefes Geheimnis: Eli sagt zu ihm: „Ich kenn deinen Namen. Ich habe dich doch gemacht. Du brauchst dich vor mir nicht rechtfertigen, mein Sohn. Was die anderen alles über dich sagen, interessiert mich nicht. Und dir sollte es auch nichts ausmachen. Das, was zählt, ist was ich über dich denke: du bist ganz wichtig für mich, und zwar bedingungslos. Genau das denke ich über dich! Die Aufkleber bleiben nur dann an dir kleben, wenn sie für dich wichtig sind. Je mehr Vertrauen du zu dir selbst hast, umso weniger wirst du auf die Urteile anderer hören. Vergesse nie, dass du für mich wichtig bist! Du bist kostbar für mich, weil ich dich geschaffen habe. Und ich mache keine Fehler.“

Auch im Altenheim, wo ich als Reinigungskraft arbeite, versuche ich durch kleine Gesten den alten Menschen Aufmerksamkeit zu schenken. Sie haben ihr Zuhauses verloren , wo sie ihr ganzes Leben verbracht haben, oft auch ihre Bekannten, ihrer Lieblingsbeschäftigungen. In meiner freien Zeit versuche ich etwas zu tun, was ihnen Freude macht: ich kümmere mich um eine Pflanze, suche einen schönen Gegenstand, oder ich stimme ein Lied aus den dreißiger Jahren an oder einen gregorianischen Gesang, besorge ein süßes Teilchen oder einen Kaffee. Das sind nur kleine Gesten, aber sie helfen zu spüren, dass man lebendig ist. Ich drücke mit ihnen aus, was ich im Herzen empfinde: „Du bist wichtig in meinen Augen!“ Hat Jesus nicht genau das getan: eine Einladung zum Essen annehmen oder auch ein kostbares Parfum; oder er bereitete das Essen vor für seine Freunde, die die ganze Nacht vergeblich gefischt hatten. Ob all das wohl mit dem Wort Barmherzigkeit gemeint ist? Die Aufmerksamkeit für die „Kleinen“, für jene, die müde sind, besorgt, die es schwer haben im Leben. Kommt alle zu mir, sagt uns Jesus, und ich bringe euch Ruhe, Erleichterung, Trost.“


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