"Brücken bauen, die uns verbinden und Mut machen"
Die Fraternität in Kinshasa (Kongo)

Seit mehreren Jahren gibt es in der Demokratischen Republik Kongo eine neue Gemeinschaft: Nachdem sich mehrere junge Frauen aus dem Kongo mit uns auf den Weg machen wollten, haben wir in Kinshasa eine neue Fraternität gegründet.

Der lange Atem der Hoffnung…
" Kinshasa! Steht auf! Lass das Licht Christi in dir leuchten. " Dieser Refrain eines Liedes, das unser Kardinal Laurent Monsengwo vor zwei Jahren komponiert hat, ist heute immer noch sehr beliebt. " Kinshasa! Steht auf! Lass das Licht Christi in dir leuchten. " - dieses Lied hat der Kardinal für das kongolesische Volk in einem sehr tragischen Augenblick seiner Geschichte gesungen: Im Osten des Landes herrscht Krieg, die allgemeine Situation ist sehr unsicher und instabil, Menschenrechtsverletzungen sind an der Tagesordnung, durch eine massive Preissteigerung leben viele Menschen an der Armutsgrenze und im Elend. Egoistische Interessen sind stärker als die Sorge ums Gemeinwohl, und das Volk verliert allmählich die Hoffnung. Deswegen versucht der Erzbischof , seinem Land mit diesem Lied neue Hoffnung zu geben. Die Kongolesen, die Kongolesinnen müssen sich dringend ihrer Situation bewusst werden, um zu einem aufrechten Gang zurückzufinden, um "aufzuwachen" und ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.

Kinshasa
Kinshasa, eine riesige Stadt im Herzen Afrikas mit heute 9 Millionen Einwohnern, galt früher als die schönste Stadt Afrikas. Sollte sie es nicht wieder werden können? Auf diesem Bild mag alles hell erleuchtet erscheinen - aber im Alltag, v.a. in den Slums, sieht es oft düster aus, denn fast alles (einschließlich das Kochen) hängt vom Strom ab. Es gibt zwar im Kongo reichlich Elektrizität; allerdings kommt sie vor allem weiter entfernten Länder wie Südafrika zu Gute und die Bewohner der Hauptstadt "blitzt" nur vorübergehend etwas davon auf, v.a. nachts. " Es ist keine Seltenheit, dass wir nachts aufstehen, wenn es gerade Strom gibt, um zu kochen, Brot zu backen, Wäsche zu waschen, zu bügeln oder am Computer arbeiten zu können."


Die Fraternität findet nach und nach ihren Platz in der neuen Umgebung: "Seitdem Evelyne aus dem Kongo, die zuletzt in Kamerun gelebt hatte, bei uns ist, sind wir vier Schwestern: Valérie, Marie, Elisa und Evelyne. Hinzu kommt eine Gruppe junger Kandidatinnen und weitere Frauen, die sich für das Ordensleben interessieren sowie Studentinnen, die einige Zeit bei uns leben."

Die Kleinen Schwestern engagieren sich bereits in verschiedenen Bereichen : In einer Basisgemeinde und in der Jugendpastoral; sie unterrichten in einer Grundschule, geben Italienischunterricht und bieten Bibelkurse an.

Die Kleinen Schwestern mit jungen Frauen, die sich für die Fraternität interessieren
"Meine Arbeit an der Grundschule macht mir Freude. Ich unterstütze vor allem die schwachen Schülerinnen und Schüler, jede Woche in einer anderen Klasse. Die Beziehungen zu den Lehrerinnen und Lehrern der Schule sind gut. Für sie ist es eine große Erleichterung, denn sie können nicht alles machen. Es gibt schließlich viel zu viele Schülerinnen und Schüler pro Klasse (zwischen 57 und 63)"
Junge Menschen im Kongo wie auch in anderen Ländern Afrikas haben oft wenig Zukunftsperspektiven, da es an Grundschulen und weiterführenden Schulen fehlte. So ist es schwer und braucht viel Zeit, bis es wieder aufwärts gehen kann.

Auch die Ausbildung zum Ordensleben braucht Zeit, und die Kleinen Schwestern investieren viel in die Ausbildung und Begleitung der jungen Frauen, die sich für die Fraternität interessieren.
Zwei Interessentinnen besuchen in Kisantu die Abschlussklasse der Krankenpflegeschule. Sie verbringen ihre Ferien mit uns. Eine weitere junge Frau studiert am CAFES, einer Ausbildungsstätte für Sozialarbeiter. Neben dem Unterricht macht sie Praktika mit Kindern aus schwierigen Situationen, mit jungen Müttern, aber auch mit geistig Behinderten und vielen anderen Menschen, die krank oder behindert sind.
Drei Interessentinnen haben sich bereits entschieden und nehmen nun am "Vorbereitungskurs" teil: einer Schule für junge Kandidatinnen und Kanditaten am Ordensleben (die Kandidatur ist der erste Vorbereitungsschritt für das Ordensleben), in der sie theologische Grundkenntnisse erlernen und ihre Französischkenntnisse verbessern.
Eine der kleinen Schwestern unterrichtet bei diesen jungen Menschen zweimal in der Woche Altes und Neues Testament. "Es macht mir viel Freude, ihnen meine Leidenschaft für das Wort Gottes zu vermitteln, auch wenn ich lange für die Vorbereitung brauche: ich muss mich selbst einlesen, manches vereinfachen und den Unterricht vorbereiten. Sie scheinen interessiert - aber … viel Arbeit wartet noch auf uns."
Da es in Kinshasa sehr schwer ist, überhaupt eine bezahlte Arbeit zu finden, versuchen die Schwestern, immer mehr von ihrem kleinen Garten zu leben. Inzwischen haben sie dort Gemüse und die Bäume tragen Obst. Die Hühner fangen an, Eier zu legen, die erste Küken schlüpfen.
Die Kapelle der Fraternität: Im Zentrum unseres Lebens steht Jesus Christus
Eine andere Schwestern nimmt sich während der Woche Zeit, die Kranken im Viertel zu besuchen. "Sie verlassen fast nie ihr Haus, sondern sitzen den ganzen Tag vor der Tür. Manche haben nichts zu essen. Ich verbringe ein wenig Zeit mit ihnen, vor allem mit einem blinden alten Mann. Seine Familie interessiert sich kaum für ihn. Er erzählt mir aus seinen Leben, von den Jahren, die er in seinem Dorf verbrachte. Er spricht auch von den Missionaren, die früher da waren, und ihrer Arbeit. Ich verstehe zwar nicht alles, was er sagt, aber ich lächle ihn an, um keine Fragen stellen zu müssen - und so vergeht die Zeit. Das Wesentliche ist, ihm mit dem Herzen zuzuhören, das Ohr wäre nicht ausreichend."

In diesem Alltag will die frohe Botschaft des menschgewordenen Gottes Gestalt annehmen : "Von nun an können wir wahrhaftig niemanden anschauen, ohne in ihm den verborgenen Gottessohn zu sehen, der in jedem Menschen verborgen ist und dort auch geboren werden will. Das ist Weihnachten! Die Menschheit ist nicht mehr eine verirrte und zerstreute Herde, sondern die Gemeinschaft der Söhne und Töchter Gottes. Jeder meiner Schwestern und Brüder ist für mich aufs Neue die Geburt von Bethlehem. Lasst uns Brücken bauen, die uns Mut machen und uns vereinen, anstatt ideologische Mauern zu errichten, die die Rassen trennen. (Monsignore Christophe Munzuhirwa, Bischof und Märtyrer, am 29.10.1996 in Buhavu ermordet)